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Keramikfliesen auswählen: Steingut, Steinzeug und Feinsteinzeug im Vergleich

· Norbert Huff
Keramikfliesen auswählen: Steingut, Steinzeug und Feinsteinzeug im Vergleich

Zwei Fliesen können nahezu gleich aussehen und sich im Alltag völlig unterschiedlich bewähren. Für die Wand hinter dem Waschbecken zählen andere Eigenschaften als für den Küchenboden oder die Terrasse. Wer Keramikfliesen auswählen möchte, sollte deshalb neben Farbe und Format auch den Werkstoff prüfen: Steingut, Steinzeug und Feinsteinzeug unterscheiden sich vor allem durch ihre Wasseraufnahme und die daraus folgenden Einsatzmöglichkeiten.

Steingut, Steinzeug und Feinsteinzeug: die wichtigsten Unterschiede

Die Grundlage jeder Keramikfliese ist ihr gebrannter Fliesenkörper, im Fachhandel „Scherben“ genannt. Rohstoffmischung und Brennprozess bestimmen, wie dicht dieser Körper wird und wie viele offene Poren verbleiben. Je poröser der Scherben, desto mehr Wasser kann er aufnehmen.

Die Wasseraufnahme wird als Anteil am Trockengewicht angegeben. Für die drei üblichen Fliesenarten gelten folgende Werte:

Keramikart Wasseraufnahme Typischer Einsatz Eignung für außen
Steingut Über 10 % Wandflächen im Innenbereich Ungeeignet
Steinzeug Über 0,5 % bis höchstens 3 % Boden- und Wandflächen Bei ausgewiesener Frostbeständigkeit und passender Verwendung
Feinsteinzeug Höchstens 0,5 % Boden- und Wandflächen, auch bei hoher Beanspruchung Bei ausgewiesener Frostbeständigkeit und passender Verwendung

Die Materialbezeichnung allein reicht für die Kaufentscheidung nicht aus. Prüfen Sie zusätzlich, ob das konkrete Produkt als Wandfliese, Bodenfliese oder Außenbelag vorgesehen ist. Auch Oberfläche, Fliesendicke und Verlegeart beeinflussen die Eignung.

Steingut: gut zu bearbeiten und für Innenwände bewährt

Steingut besitzt einen vergleichsweise porösen Scherben und wird als Wandfliese üblicherweise glasiert angeboten. Die Glasur bildet die sichtbare, gut zu reinigende Oberfläche. Darunter bleibt der Fliesenkörper jedoch saugfähig.

Ein praktischer Vorteil ist die Bearbeitung: Steingut lässt sich vergleichsweise leicht schneiden und bohren. Das erleichtert Ausschnitte für Steckdosen, Rohrdurchführungen und Befestigungen. Für Wandflächen in Bad und Küche ist es deshalb häufig eine passende Wahl.

Als gewöhnlicher Bodenbelag oder für frostgefährdete Außenflächen ist Steingut ungeeignet.

Steinzeug: belastbar für viele Bodenflächen

Beim Vergleich von Steingut und Steinzeug liegt der Unterschied vor allem im dichteren Scherben. Steinzeug nimmt deutlich weniger Wasser auf und besitzt eine höhere Festigkeit. Es eignet sich deshalb für zahlreiche Bodenanwendungen sowie für Wandflächen.

Steinzeug gibt es glasiert und unglasiert. Bei glasierten Produkten bestimmt die Glasur wesentlich mit, wie widerstandsfähig die sichtbare Oberfläche gegen Verschleiß ist. Für einen häufig genutzten Küchenboden sollten Sie daher die ausgewiesene Beanspruchbarkeit prüfen.

Feinsteinzeug: besonders dicht und vielseitig

Feinsteinzeug gehört zur Steinzeugkeramik und zeichnet sich durch eine besonders geringe Wasseraufnahme aus. Es wird für viele beanspruchte Böden eingesetzt und ist ebenso als Wandbekleidung erhältlich.

Auch hier gibt es glasierte und unglasierte Ausführungen sowie matte, strukturierte oder polierte Oberflächen. Diese Unterschiede wirken sich auf Reinigung, Fleckempfindlichkeit und Rutschhemmung aus. Eine polierte Feinsteinzeugfliese kann sich im nassen Zustand beispielsweise anders verhalten als eine strukturierte Variante derselben Materialgruppe.

Welche Fliesen passen an die Wand?

Für den Fliesenspiegel in der Küche und viele Wandflächen im Badezimmer ist glasiertes Steingut eine zweckmäßige Lösung. Hier stehen eine reinigungsfreundliche Oberfläche, passende Formate und saubere Anschlüsse im Vordergrund.

Steinzeug und Feinsteinzeug kommen ebenfalls infrage. Das bietet sich etwa an, wenn Boden und Wand dieselbe Optik erhalten sollen. Bei großen Formaten müssen Untergrund, Kleber und Verarbeitung auf die jeweilige Platte abgestimmt sein.

Steingut im Bad: trotz hoher Wasseraufnahme möglich

Die hohe Wasseraufnahme des Scherbens schließt Steingut als Badezimmerwandfliese nicht grundsätzlich aus. Entscheidend sind die Freigabe für den vorgesehenen Bereich und der fachgerechte Aufbau.

Fliesen und Fugen ersetzen keine erforderliche Abdichtung. Besonders an Dusche und Badewanne muss der Untergrund entsprechend der Wasserbeanspruchung geschützt werden. Auch Feinsteinzeug mit seiner sehr niedrigen Wasseraufnahme übernimmt diese Aufgabe nicht.

Bodenfliesen: Belastbarkeit und Oberfläche gemeinsam prüfen

Für Böden kommen vor allem Steinzeug und Feinsteinzeug infrage. Welche Ausführung passt, hängt von der Nutzung ab: Im Schlafzimmer entsteht meist weniger Verschleiß als im Eingangsbereich, wo Sand und kleine Steinchen unter den Schuhen scheuern.

Abriebfestigkeit bei glasierten Fliesen

Bei glasierten Bodenfliesen beschreibt die Abriebgruppe die Widerstandsfähigkeit der Glasur gegen Oberflächenverschleiß. Für Flur und Küche ist eine entsprechend belastbare Ausführung sinnvoll. Lassen Sie sich die Eignung für diese Räume anhand der Produktangaben bestätigen.

Die Abriebgruppe sagt allerdings nichts über die Rutschhemmung oder die Bruchfestigkeit aus. Unglasierte Fliesen werden hinsichtlich ihres Verschleißwiderstands außerdem anders geprüft.

Rutschhemmung für Bad und Küche

Die Rutschhemmung hängt wesentlich von der Oberfläche ab. Aus der Bezeichnung „Feinsteinzeug“ lässt sich deshalb keine bestimmte Trittsicherheit ableiten. Auch eine matte Optik ist kein verlässlicher Nachweis.

Für eine bodengleiche Dusche sollten Sie gezielt nach der Eignung für nass belastete Barfußbereiche fragen. Die dafür verwendeten Bewertungsgruppen A, B und C beruhen auf einer anderen Prüfung als die R-Gruppen für das Begehen mit Schuhen.

Beziehen Sie auch die Reinigung ein: Stark profilierte Oberflächen können Schmutz stärker festhalten. Ein Muster hilft, Struktur und Pflegeaufwand einzuschätzen.

Bruchfestigkeit und Verlegung

Die Belastbarkeit des fertigen Bodens hängt zusätzlich von Fliesendicke, Format, Untergrund und Bettung ab. Selbst eine feste Feinsteinzeugfliese kann unter ungünstiger Belastung brechen, wenn sie unzureichend unterstützt wird. Große Formate verlangen deshalb eine besonders sorgfältige Untergrundvorbereitung und Verlegung.

Außenbereich: Frostbeständigkeit ausdrücklich prüfen

Für Balkon, Terrasse und Außentreppe scheidet Steingut aus. Sein poröser Scherben kann viel Wasser aufnehmen. Gefriert dieses Wasser, können Schäden entstehen.

Steinzeug und Feinsteinzeug bieten durch ihre geringe Wasseraufnahme bessere Voraussetzungen. Verlangen Sie dennoch für das ausgewählte Produkt einen ausdrücklichen Nachweis der Frostbeständigkeit und prüfen Sie die vorgesehene Verwendung. Der Bundesverband Keramische Fliesen erläutert den Zusammenhang zwischen Wasseraufnahme, Frostbeständigkeit und fachgerechter Außenverlegung.

Zur dauerhaft funktionierenden Außenfläche gehören außerdem ein geeigneter Unterbau, sichere Wasserableitung und ausreichend Bewegungsfugen. Bei verklebten Belägen ist eine möglichst vollflächige Bettung wichtig. Eine frostbeständige Fliese schützt den gesamten Aufbau nicht automatisch vor Frostschäden.

Soll der Belag lose auf Stelzlagern oder im Splittbett liegen, müssen Plattenstärke und Produkt ausdrücklich für diese Verlegeweise geeignet sein.

Diese Angaben sollten Sie vor dem Kauf prüfen

Nehmen Sie zur Auswahl eine kurze Beschreibung der geplanten Nutzung mit: Raum, Wand oder Boden, Wasserbelastung und gegebenenfalls Außenbereich. Prüfen Sie anschließend:

  • Verwendungszweck: Ist die Fliese für die konkrete Fläche vorgesehen?
  • Oberfläche: Passen Abriebfestigkeit, Rutschhemmung und Reinigungsaufwand zur Nutzung?
  • Außeneignung: Sind Frostbeständigkeit und geplante Verlegeweise bestätigt?
  • Verarbeitung: Lassen sich Format und Dicke mit Untergrund, Anschlüssen und Aufbauhöhe vereinbaren?
  • Pflege: Gibt es besondere Hinweise, etwa zur Imprägnierung polierter Oberflächen?

Lassen Sie sich möglichst ein Muster mitgeben. Betrachten Sie es bei Tageslicht und unter Ihrer Raumbeleuchtung. Prüfen Sie auch, wie sichtbar Wassertropfen, Fingerabdrücke oder Staub darauf werden. So lässt sich beurteilen, ob die technisch passende Fliese auch zu Ihrem Alltag passt.